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CHAOSTALK

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Das Deutsch/Schweizer Trio LES ENFANTS SAUVAGES hat grade sein Debütalbum „LES“ auf dem Label 3000Grad veröffentlicht – vollgepackt mit melancholischen Popsongs, die mit elektronischer Experimentierfreude und rockigen Wutausbrüchen etwas eigenwilliges Neues erschaffen.
LES ENFANTS SAUVAGES. Das sind Lena Schmidt, Axel Meier und Marten Pankow. Was es noch Interessantes über das Trio und ihr Debütalbum zu wissen gibt, erfahrt ihr im ChaosTalk…

CHAOSKIND: Hi ihr drei. Vielen Dank für eure Zeit. Grade ist ja euer Debütalbum „LES“ erschienen und ich freue mich, ein bisschen mit euch darüber zu quatschen…

Wie lange macht ihr eigentlich schon Musik und wie ist die Band LES ENFANTS SAUVAGES eigentlich entstanden?

LENA: Einzeln machen wir alle Musik seit wir geradeaus schauen können. In dieser Konstellation aber seit etwa 4 Jahren. Wir haben uns an der Hochschule für Musik und Theater Rostock kennengelernt, wo wir alle studiert haben. Da ist eine tiefe musikalische Freundschaft entstanden, auf die wir nicht mehr verzichten wollen.

Für euer Debütalbum habt ihr euch ja in einem kleinen Dorf in Mecklenburg Vorpommern bei dem bildenden Künstler Carlo Leopold Broschewitz verschanzt. Wie kam es dazu?

LENA: Wir haben einen Ort gesucht, an dem es möglich ist mit viel Ruhe und konzentriert zu arbeiten, und wo wir auch nicht von unseren Alltagen abgelenkt sind. Carlo Leopold Broschewitz hatte in seinem Haus und Atelier die Kapazität und hat uns diesen Ort zur Verfügung gestellt, was ein unglaublicher Glücksfall war.

Woher kennt ihr Carlo und hat er auch am Album mitgewirkt?

LENA: Nein, Carlo hat nicht am Album mitgewirkt. Er hat uns einfach seinen Raum zur Verfügung gestellt und war auch einen Großteil der Zeit nicht anwesend. Wir kennen ihn so, wie man sich in Mecklenburg Vorpommern eben so kennt. Er ist ein Freund von Freunden und einfach unglaublich nett.

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Und könnt ihr uns auch ein bisschen etwas darüber erzählen, wie es für euch war, an eurem ersten Album zu arbeiten?

MARTEN: Ja, es war an der Zeit! Wir haben die Titel ja schon einige Zeit auf diversen Bühnen gespielt und da wir nun alle verteilt wohnen, ist Studiozeit auch sehr wertvolle Zeit zum Wiedersehen.

LENA: Es war auf jeden Fall auch sehr intensiv. Sich 10 Tage nur auf eine Sache zu konzentrieren kann auch sehr herausfordernd sein. Ich würde es aber jederzeit wieder so machen.

Wie macht ihr das denn zur Zeit mit dem Proben? Passiert das jetzt online oder trefft ihr euch noch ab und zu?

LENA: Zur Zeit ist das tatsächlich sehr schwierig, weil die Grenzsituation von der Schweiz nach Deutschland sehr kompliziert ist. Die letzten Tage haben wir uns aber seit einer längeren Zeit wieder gesehen, da wir ein Video gedreht haben. Sobald man sich aber wieder freier zwischen der Schweiz und Deutschland bewegen kann, werde ich vermehrt pendeln. Dennoch waren wir noch nie eine Band mit einem wöchentlichen Probetermin. Wir arbeiten besser intensiv am Stück, mit längeren Pausen dazwischen. 

Wie lange habt ihr insgesamt an „LES“ gearbeitet?

MARTEN: Vor einem Jahr – genau zum ersten Lockdown – haben die Aufnahmen begonnen. Man hört hoffentlich die akribische Ausgestaltungen der Lieder!? Ich denke, da gibt’s Einiges zu entdecken…

Welche musikalischen Einflüsse habt ihr und wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?

LENA: Da wir alle drei aus sehr unterschiedlichen musikalische Backgrounds kommen, ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Unsere Schnittmenge ist sicher unsere Liebe zu Klängen an sich und damit zu experimentieren. Da wir uns aber ganz klar in Songstrukturen bewegen, sind wir der Popmusik schon sehr nah. Sehr gut identifizieren können wir uns mit den Worten „Experimental Pop“. Neulich hat uns ein Radiosender als „Rock Noir“ bezeichnet. Auch mit dieser Wortkreation können wir viel anfangen.

Ihr habt auf dem Album den Song „50 Ways to Leave Your Lover“ von Paul Simon (Simon&Garfunkel) gecovert? Warum?

LENA: Meiner Meinung nach ist das einer der besten Popsongs der Geschichte. Ich liebe es, mich Songs, die nicht meine eigenen sind, anzunähern und einen ganz neuen Zugang zu finden. Es gibt auch eine gewisse Distanz zum Song, wenn es nicht dein eigener ist. Das ist zur Abwechslung sehr erfrischend.

Gibt es auch noch andere Songs, die ihr gerne covert?

LENA: Wir spielen ab und zu den Jazz Standart „Nature Boy“. Bei dem haben wir uns aber die Regel gesetzt, ihn nie gleich zu spielen. Wir improvisieren also live mit dem Material.

Der Song „Les Enfants Sauvages“ habt ihr ja als einzigen Song auf der Platte auf französisch aufgenommen? Was sagt der Song aus und was bedeutet er für euch?

LENA: Es handelt sich um ein mündlich überliefertes Lied, welches mir meine Mutter früher oft vorgesungen hat. Es bedeutet sinngemäß: „Auch die wilden Kinder haben ein Recht auf einen blauen Himmel, auch die wilden Kinder haben ein Recht darauf, nicht für immer verloren zu sein.“ Es ist ein extrem trauriges Lied. Und trotzdem hat dieser Satz „die wilden Kinder“ auch etwas Ungestümes und Unangepasstes. 

Wie geht es jetzt nach dem Release für euch weiter?

MARTEN: Noch sind wir ganz gut mit Promoarbeit beschäftigt – weitere Videos, neue Fotos und andere außermusikalische Aufgaben. Wahrscheinlich gibt’s dann einige kleinere Openair-Konzerte im Sommer. Wir bleiben aber weiterhin gelassen und gucken, was möglich ist…

LENA: Ja, das live spielen fehlt sehr. Ansonsten dreht sich die Erde aber auch nach dem Release immer noch gleich schnell und wir machen das, was wir immer tun. Suchen nach dem Glück und versuchen die schönste Musik, die in unseren Möglichkeiten liegt, zu erfinden.

Album Facts:
VÖ: 30.04.2021
Label: 3000Grad Visions
Formate: CD / Digital
Album Tracklist:

01 Tell Me
02 Foggy Dreams
03 Lover
04 Goodbye
05 It Is All
06 Hold On
07 Time To Grow
08 50 Ways To Leave Your Lover
09 Les Enfants Sauvages
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